Der eigentliche Wandel: Arbeitsweise, Rollen und Zusammenarbeit
Die Wirkung eines Finance-TOM entfaltet sich nicht im Konzept, sondern im Arbeitsalltag. Dort zeigt sich, ob Prozesse konsequent umgesetzt werden und Schnittstellen funktionieren. Ohne verändertes Verhalten bleibt jede Transformation wirkungslos und die erhoffte Verbesserung der Steuerungsfähigkeit bleibt aus.
Neue Arbeitsweise: von Silos zu End-to-End-Verantwortung
Die Anwendungsmöglichkeiten von KI im Personalbereich sind vielfältig. Von der skillorientierten Personalgewinnung über passgenaue Weiterbildung bis hin zur strategischen Nachfolgeplanung und -entwicklung: KI schafft dort messbaren Mehrwert, wo sie Prozesse fehlerfreier, schneller und personalisierter macht und zugleich in den Dienst der Unternehmensstrategie stellt.Traditionell ist Finance entlang funktionaler Teilprozesse organisiert: Debitoren, Kreditoren, Hauptbuch, Reporting. Diese Logik ist historisch gewachsen, passt jedoch immer weniger zu integrierten Geschäftsmodellen und durchgängigen Systemlandschaften.
Ein Finance-TOM denkt Prozesse konsequent vom Geschäft her. Das bedeutet:
- Verantwortung endet nicht an Abteilungsgrenzen.
- Finance ist integraler Bestandteil operativer Abläufe - von der Geschäftsanbahnung bis zum Zahlungseingang.
- Qualität entsteht präventiv durch saubere Prozess- und Regeldefinition, nicht durch nachgelagerte Korrekturen.
Wichtig ist dabei die Rolle von Finance. Sie ist nicht „Owner" jedes Prozessschritts, sondern die Instanz, die Transparenz und Steuerbarkeit absichert. Das ist der entscheidende Perspektivwechsel: weg von reaktiver Kontrolle, hin zu gestaltender Mitwirkung. Dadurch verbessert sich nicht nur die Prozessstabilität, sondern auch die Qualität von Forecasts, Investitionsentscheidungen und Liquiditätssteuerung.
Neue Rollen: vom Abwickler zum Gestalter
Mit der Arbeitsweise verändern sich zwangsläufig die Rollenbilder. In einem Finance-TOM verlieren transaktionale Tätigkeiten an Bedeutung - nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie idealerweise automatisiert und standardisiert ablaufen.
Stattdessen rücken Rollen in den Vordergrund, die bislang oft nur implizit existierten:
- Definition und Pflege von Regelwerken
- Überwachung automatisierter Prozesse
- Management von Ausnahmen und Abweichungen
- Sicherstellung von Stammdaten- und Prozessqualität
Finance wird damit zum Hüter der finanziellen Logik des Unternehmens. Diese Rolle erfordert Klarheit: Wer definiert Regeln? Wer entscheidet bei Zielkonflikten? Wer trägt Verantwortung, wenn Prozesse außerhalb von Finance liegen, aber finanzielle Wirkung entfalten? Ein Finance-TOM macht diese Rollen explizit und entlastet damit gleichzeitig die Organisation von impliziten Erwartungen und Grauzonen.
Neue Skills: andere Kompetenzen, andere Entwicklungspfade
Die veränderten Rollen stellen neue Anforderungen an die Mitarbeitenden. Tiefes Fachwissen bleibt wichtig, reicht aber allein nicht mehr aus. Gefragt sind zusätzliche Kompetenzen:
- Prozessdenken statt isolierter Buchungslogik
- Verständnis für Systeme, Datenflüsse und Automatisierungslogiken
- Kommunikations- und Moderationsfähigkeit im Umgang mit Fachbereichen
- Fähigkeit, Regeln zu erklären, zu vermitteln und durchzusetzen
Das hat Konsequenzen für Qualifizierung, Karrierepfade und Organisationsmodelle. Klassische „Transaktionsfabriken" verlieren an Relevanz, während Expertenrollen und funktionsübergreifende Profile an Bedeutung gewinnen.