4C Insights

Hans-Martin Schneider

Hans-Martin Schneider

Senior Partner | CEO Advisory
15 Min. Oktober 2026

Digitalisierung braucht Orchestrierung: Versorgung im Krankenhaus gezielt steuern

Wie Krankenhäuser bestehende Systeme, Ressourcen und Beteiligte zu durchgängigen Versorgungspfaden verbinden

Die Digitalisierung der Krankenhäuser ist aufbauend auf den Förderungen des Gesetzgebers in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen. KIS, Patientenportale, Fachsysteme, digitale Dokumentation und spezialisierte Anwendungen bilden immer mehr einzelne Schritte der Versorgung digital ab. Damit entsteht jedoch zunehmend eine neue Herausforderung: Die Systeme müssen nicht nur einzeln funktionieren, sondern auch interagieren und aus dieser Verbindung heraus einen Mehrwert erbringen. Und das geht deutlich über die technische Interoperabilität hinaus, bei der viele Ansätze schon stocken.

Versorgung erfolgt weder innerhalb der Grenzen einzelner Anwendungen noch der Zuständigkeiten einer einzelnen Abteilung. Patientinnen und Patienten bewegen sich vielmehr von der Terminvereinbarung über Aufnahme und Diagnostik bis zur Behandlung, Entlassung und Nachsorge durch einen zusammenhängenden Prozess – die Patienten-Journey. Termine hängen von Ressourcen ab, Informationen müssen an mehreren Stellen redundant verfügbar sein und Veränderungen in einem Prozessschritt wirken sich fast immer auf nachfolgende Abläufe aus.

Damit verschiebt sich jedoch die Digitalisierungsfrage auf eine höhere Ebene: Es geht nicht mehr einzig darum, welche Systeme ein Krankenhaus einsetzt, um Teilprozesse zu digitalisieren, sondern darum, wie auf diesen Systemen ein übergreifender und steuerbarer Gesamtprozess (Patienten-Journey) konzipiert und gesteuert wird. Für diese Aufgabe gewinnt ein fachlicher und technischer Architekturgedanke an Bedeutung: die Krankenhaus-Orchestrierungsplattform, kurz KOP.

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Krankenhausdigitalisierung

Die nächste Stufe der Krankenhausdigitalisierung entscheidet sich weniger daran, wie viele Systeme ein Haus digital betreibt. Entscheidend ist vielmehr, wie bestehende Einzellösungen organisatorisch zu einer häuserübergreifenden Prozessvision mit einem steuerbaren Gesamtprozess transformiert werden können und die Risiken dabei nicht zu erhöhen.

Hans-Martin Schneider

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Key Takeaways

Die wichtigsten Erkenntnisse

01 Parallele digitale Systeme bedeuten noch keine durchgängige Digitalisierung. Wenn Anwendungen gut funktionieren, ihre Prozesse aber getrennt bleiben, entsteht Koordinationsaufwand zwischen Systemen, Bereichen und Beteiligten.
02 Das KIS bleibt eine zentrale Grundlage der Krankenhaus-IT-Architektur. Eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform (KOP) ersetzt bestehende Kern- und Fachsysteme nicht, sondern ergänzt sie um eine übergreifende Steuerungsebene.
03 Integration und Orchestrierung sind Aufgaben mit unterschiedlichem Fokus und Verantwortlichkeiten: Die Integration ermöglicht technisch den Datenaustausch (z.B. via Schnittstellen) und liegt bei einzelnen Produktverantwortlichen; Orchestrierung hingegen beschreibt die Informationsgewinnung und -bereitstellung über Prozesszustände, um fachliche Folgeprozesse auszulösen und zu koordinieren – entlang einer eindeutigen und führenden Patienten-Journey. Diese liegt in der Hand der Krankenhaus-Prozesssteuerung.
04 Ressourcen und Beteiligte gehören zur Prozesssteuerung. Durchgängige Versorgung entsteht erst, wenn Termine, Räume, Personal und Kapazitäten ebenso berücksichtigt werden wie Patienten, Mitarbeitende und externe Leistungserbringer und deren Zusammenwirken laufend priorisiert wird.
05 Die Einführung einer Krankenhaus-Orchestrierungsplattform (KOP) geht über ein reines IT-Projekt weit hinaus: Wirkung entsteht durch eine Transformation der Krankenaussteuerung zu einer klaren Prozessverantwortung mit definierten Regeln und eindeutige und belastbare Daten sowie einer schrittweisen Umsetzung entlang konkreter Versorgungsszenarien mit wirksamer Transformation Governance.

01Herausforderung Digitalisierung

Warum das heute wichtig ist?

Viele Krankenhäuser verfügen heute über eine leistungsfähige, historisch gewachsene IT-Landschaft. Das KIS bildet darin die wesentlichen medizinischen und administrativen Prozesse ab. Ergänzend übernehmen Fachsysteme spezialisierte Aufgaben. Patientenportale ermöglichen einen digitalen Zugang zur Versorgung. Terminmanagement, Ressourcenplanung, Kommunikation und zunehmend auch KI-basierte Dienste erweitern diese Landschaft.

Die einzelnen Systeme können ihre jeweilige Aufgabe gut erfüllen – und trotzdem bleibt der Gesamtprozess schwer steuerbar. Ein typischer Versorgungspfad macht das sichtbar: Ein Patient vereinbart einen Termin, stellt Unterlagen bereit, wird aufgenommen, durchläuft Diagnostik und Behandlung und erhält anschließend weitere Termine oder Informationen. Hinter diesen Schritten stehen unterschiedliche Anwendungen, Verantwortlichkeiten und Ressourcen.

Solange jeder Prozessabschnitt für sich betrachtet wird, entstehen aus dem Übergang heraus zusätzliche Aufgaben. Mitarbeitende prüfen bereits erfasste Informationen erneut, stimmen Termine innerhalb der Patientenreise ab, reagieren auf Abweichungen, telefonieren zwischen Bereichen oder übertragen Prozesszustände manuell. So kann der Digitalisierungsgrad steigen, während ein wesentlicher Teil der Koordination weiterhin manuell und entsprechend arbeitsintensiv bleibt.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr: Welche zusätzlichen Systeme benötigen wir noch? Sondern: Welche Ebene koordiniert das Zusammenspiel der bereits vorhandenen Systeme?

 

02Wirkprinzip der KOP

Wie kann eine Orchestrierungsplattform wirken?

Der Begriff Krankenhaus-Orchestrierungsplattform beschreibt eine übergreifende digitale Steuerungsebene für Versorgung und Krankenhausprozesse. Eine KOP führt Informationen und Prozesszustände aus bestehenden Anwendungen zusammen, erkennt relevante Ereignisse und koordiniert daraus die nächsten Schritte über System- und Organisationsgrenzen hinweg. Dabei werden nicht nur IT-Systeme verbunden, sondern auch Patienten, Mitarbeitende, externe Leistungserbringer sowie die für den jeweiligen Prozess erforderlichen Ressourcen berücksichtigt.

Entscheidend ist die Perspektive: Die Plattform betrachtet nicht die Funktion eines einzelnen Systems, sondern den End-to-End-Prozess. Daraus ergeben sich sechs zentrale Eigenschaften:

Systeme verbinden.
Vorhandene Anwendungen bleiben bestehen und werden für gemeinsame Prozesse nutzbar gemacht.

Versorgungspfade steuern.
Einzelne Vorgänge werden zu einem zusammenhängenden, steuerbaren Prozess verbunden.

Auf Ereignisse reagieren.
Änderungen eines Prozesszustands können unmittelbar und zeitnah Auswirkungen auf nachfolgende Schritte haben.

Ressourcen koordinieren.
Termine, Räume, Personal, Geräte und weitere Kapazitäten werden Teil der Steuerungslogik und können laufend sinnvoll zugeordnet werden.

Beteiligte einbinden.
Patienten, Mitarbeitende und externe Partner erhalten zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen oder Aufgaben für ihren nächsten Schritt, so dass sie agieren und vorausschauende Entscheidungen treffen können.

Grenzen überwinden.
Abläufe können über Abteilungen, Standorte, Hausgrenzen und unterschiedliche Systeme hinweg koordiniert werden.

Damit entsteht eine neue Ebene in der IT-Architektur – nicht anstelle der bestehenden Anwendungen, sondern zwischen ihren jeweiligen Funktionen und dem übergreifenden Versorgungsprozess.

 

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Krankenhaus-Orchestrierungsplattform

Eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform ist nicht einfach ein weiteres Primärsystem. Sie erzeugt eine Steuerungsmöglichkeit mit einer gemeinsamen Fachlichkeit und Sprache, die fachliche Abgrenzung eliminiert und alle Beteiligten entlang eines übergreifenden Patienten- und Versorgungspfads miteinander verbindet und in Wirkung bringt.

Maximilian Voss

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03KOP in der IT-Architektur

Wie integriert sich die KOP in die IT- und Fach-Architektur des Krankenhauses?

Das Krankenhaus-Informationssystem (KIS) bleibt für Krankenhäuser ein zentrales System. Dort liegen klinische und administrative Informationen, Dokumentation, Abrechnung und zahlreiche fachliche Prozesse. Die Erwartung, sämtliche zukünftigen Anforderungen an Patientenkommunikation, Prozesssteuerung, Ressourcenkoordination, neue digitale Dienste und sektorenübergreifende Versorgung ebenfalls innerhalb eines einzelnen Kernsystems abzubilden, würde jedoch zu wachsender funktionaler und technischer Komplexität führen.

Eine Orchestrierungsarchitektur folgt deshalb einem anderen Prinzip. KIS, PDMS, Abrechnung, Terminmanagement, RIS/PACS, Fachsysteme, Geräte oder zukünftige KI-Dienste erfüllen weiterhin ihre jeweiligen Aufgaben. Die übergreifende Prozesslogik wird dort abgebildet, wo die Informationen dieser Systeme zusammenlaufen.

Die KOP kennt damit beispielsweise nicht nur einen Termin, sondern dessen Bedeutung innerhalb eines Versorgungspfades. Sie kennt nicht nur einen Systemstatus, sondern kann daraus ableiten, welcher Prozessschritt abgeschlossen ist und welcher als Nächstes folgen muss.

Der Unterschied lässt sich knapp formulieren: Integration verbindet Daten. Orchestrierung verbindet daraus entstehende Handlungen und ermöglicht Entscheidungen.

 

04Integration vs. Orchestrierung

Wie grenzt sich die KOP von klassischer IT-Integration ab?

Krankenhäuser investieren seit vielen Jahren in Schnittstellen und Interoperabilität. Diese bleiben eine wesentliche Voraussetzung für jede moderne IT-Architektur. Eine Schnittstelle allein erzeugt jedoch noch keinen gesteuerten Prozess.

Wenn ein System beispielsweise an ein anderes übermittelt, dass ein Patient eingetroffen ist, wurden zunächst nur Daten ausgetauscht. Orchestrierung beginnt dort, wo dieses Ereignis Auswirkungen auf den weiteren Ablauf hat: Der Prozessstatus wird aktualisiert, ein zuständiger Bereich sieht den Patienten in seiner Arbeitsliste, ein Aufruf wird vorbereitet, eine Ressource wird dem nächsten Prozessschritt zugeordnet oder der Patient erhält Informationen zur nächsten Anlaufstelle. Mit jedem eintretenden, relevanten Ereignis wird die gesamte Prozesskette neu bewertet und aktualisiert; das Gesamtsystem reagiert in Echtzeit.

Die Information wird also nicht lediglich transportiert, sondern verändert Prozess-Zustände und löst nachgelagerte Folgeprozesse aus. Konflikte werden aktiv aufgezeigt und Lösungsalternativen vorgeschlagen. Dieser Unterschied ist wesentlich, weil er auch die Architekturentscheidung verändert. Während eine Integrationsplattform in erster Linie die Frage beantwortet, wie Systeme Informationen austauschen, beantwortet eine Orchestrierungsplattform zusätzlich: Was passiert aufgrund dieser Information als nächstes bzw. welche Anpassungen an der bestehenden Planung sollten getroffen werden?

 

05Orchestrierung in der Praxis

Was bedeutet die KOP in der Praxis?

Besonders sichtbar wird der Unterschied in Prozessen mit vielen Übergabepunkten. Bei einer klassischen Patientenaufnahme können Terminvereinbarung, Unterlagen, administrative Aufnahme, Wartesituation und Weiterleitung zum Fachbereich organisatorisch und technisch voneinander getrennt sein. Jede Station funktioniert, gleichzeitig müssen Mitarbeitende die gesamte Patientenreise koordinieren.

Eine orchestrierte Aufnahme verbindet diese Schritte. Patienten können Termine und Informationen bereits vor dem Aufenthalt digital bearbeiten. Bei ihrer Ankunft verändert ein Self-Check-in den Prozessstatus. Nachfolgende Systeme erhalten diese Information. Aufruf und Weiterleitung orientieren sich am aktuellen Prozesszustand. Mitarbeitende sehen, welche Patienten angekommen sind, warten oder sich verspäten.

Für den Patienten entsteht daraus ein verständlicher Weg. Für die Mitarbeitenden sinkt der Bedarf an manueller Koordination. Für das Krankenhaus entsteht ein transparenter Patientenfluss. Für die Ärzte eine möglichst effektive Leistungserbringung. Das Beispiel zeigt zugleich, warum eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform nicht mit einer einzelnen Anwendung gleichgesetzt werden sollte: Der Mehrwert entsteht zwischen den Anwendungen.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf weitere Prozesse übertragen. Bei diagnostischen Untersuchungen müssen Termine, Geräte und Personal zusammenpassen. Bei Operationen reicht ein freier OP-Saal allein nicht aus – mehrere Ressourcen müssen gleichzeitig verfügbar sein. Bei einer Terminverschiebung können wiederum zahlreiche nachfolgende Schritte betroffen sein. Das Optimum liegt dabei vermutlich nicht im pünktlichen Ende der Saallaufzeit. Eine übergreifende Steuerung macht diese Abhängigkeiten sichtbar und ermöglicht es, Veränderungen im Kontext des gesamten Versorgungspfades zu behandeln.

 

06Transformation und Governance

Warum die Einführung einer KOP immer eine Transformation auslöst und auch eine entsprechende Governance braucht?

So überzeugend das Architekturprinzip ist: Eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform entfaltet ihre Wirkung nicht durch Technologie allein. Denn Orchestrierung setzt voraus, dass ein Krankenhaus seine Prozesse kennt. Und Erkenntnisse aus dem Prozesslauf sichtbar machen und so rechtzeitig kommunizierbar macht, das aktiv gehandelt werden kann.

Welche Ereignisse sind relevant? Wann gilt ein Prozessschritt als abgeschlossen? Welches System liefert für welchen Zustand die führende Information? Welche Abhängigkeiten bestehen? Welche Ressource muss wann verfügbar sein? Wer entscheidet bei Abweichungen? Welche Alternativen bestehen? Welche Schritte lassen sich automatisieren und wo bleibt eine menschliche Entscheidung erforderlich?

Diese Fragen betreffen Organisation, Verantwortlichkeiten und Steuerung. Aber auch die Entscheidungskultur und ein aktives Miteinander, statt Arbeit im Silo. Das verändert auch die Einführung. Ein Big-Bang-Ansatz, bei dem zunächst eine umfassende Plattformarchitektur aufgebaut und anschließend nach Anwendungsfällen gesucht wird, greift zu kurz. Sinnvoller ist ein schrittweises Vorgehen entlang realer End-to-End-Prozesse.

Ein konkreter Versorgungspfad bildet den Ausgangspunkt. Die beteiligten Systeme, Rollen, Ereignisse und Ressourcen werden sichtbar gemacht. Anschließend wird definiert, welche Zustände systemübergreifend erkannt und welche Aktionen daraus ausgelöst werden müssen. Mit jedem weiteren Anwendungsfall wächst so nicht nur der Funktionsumfang – es entsteht eine wiederverwendbare Orchestrierungslogik für das Krankenhaus.

 

 

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Erfolgreiche Orchestrierung

Erfolgreiche Orchestrierung ist am Ende auch eine Governance-Frage. Technologie kann Ereignisse erkennen und Schritte auslösen – aber das Krankenhaus muss mit einer eng gesteuerten Governance den Handlungsrahmen für ein effizientes, positives Zusammenwirken aller Bereiche und Dienstarten schaffen.

Maximilian Voss

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07Einstieg und Umsetzung

Wie steigen wir in die Orchestrierung und deren Umsetzung ein?

Für Entscheider ergeben sich daraus sechs zentrale Themenfelder, die im Rahmen einer Transformationsroadmap definiert und anschließend bearbeitet werden sollten:

Welche Prozesse benötigen eine übergreifende Steuerung?
Kein Vorgang muss orchestriert werden, nur weil er digital ist. Priorität haben Versorgungspfade mit vielen Übergaben, hoher Ressourcenabhängigkeit oder großem manuellem Koordinationsaufwand.

Welche Systeme sind für welche Informationen führend?
Eine Orchestrierungsplattform sollte bestehende Verantwortlichkeiten überprüfen, aber nicht unbedacht duplizieren oder verschieben. Die Rolle der Bestandssysteme muss deshalb eindeutig sein.

Welche Ereignisse verändern den Prozess?
Ankunft, Befund, Terminverschiebung, fehlende Unterlagen, Ressourcenengpass oder Entlassentscheidung, vielleicht aber auch der Notfall oder eine der üblichen Störungen im Klinikbetrieb: erst ein gemeinsames Verständnis relevanter Ereignisse ermöglicht aktive Steuerung.

Welche Ressourcen und Beteiligten müssen Teil des Modells sein?
Ein Versorgungspfad besteht nicht rein aus Daten. Er umfasst Personal, Räume, Geräte, PatientInnen und externe Partner; erst gemeinsam bestimmen diese Ressourcen, ob der Prozess tatsächlich funktionieren kann.

Wie bleibt die Architektur erweiterbar?
Neue Fachsysteme, KI-Anwendungen und sektorenübergreifende Dienste werden die Krankenhaus-IT auch weiterhin verändern. Eine Orchestrierungsebene sollte deshalb bestehende Systeme entkoppeln und zukünftige Erweiterungen erleichtern.

Wie können wir die Umsetzung bestmöglich steuern?
Eine KOP löst eine Transformation in der Steuerung und Organisation aus. Diese braucht Governance auf mehreren Ebenen des Krankenhauses und will auch gut orchestriert werden. Dafür gibt es Erfahrungswerte und Vorgehensmodelle aus vergleichbaren Industrien, die in Form der Transformationsroadmap Komplexität und Risiken deutlich reduzieren.

 

08Vision Krankenhaus der Zukunft

Was wir bereits als konkrete Vision entstehen sehen?

Die nächste Entwicklungsstufe der Krankenhausdigitalisierung entscheidet sich nicht an der maximalen Integration vieler einzelner Systeme. Entscheidend wird vielmehr sein, ob es den Verantwortlichen im Krankenhaus gelingt, über eine heterogene IT-Landschaft einen aus fachlicher Sicht zusammenhängenden Versorgungsprozess als Nordstern der Krankenaussteuerung zu legen – einen Ansatz, den man in vielen anderen Industrien erfolgreich angewendet hat, weil bestehende Spezial- oder ERP-Systeme nur schwer an die wachsenden Anforderungen anzupassen waren.

Die Krankenhaus-Orchestrierungsplattform schafft eine verbindende Steuerungsebene und eine über alle Fachkliniken und Dienstarten verständliche Sprache zur Transformation zum Krankenhaus der Zukunft.

Damit verändert sich auch die Perspektive auf die Digitalisierung: Aus Anwendungen werden nicht automatisch Prozesse. Aus Schnittstellen entsteht nicht automatisch Koordination. Und aus Daten entsteht noch keine Steuerung. Erst wenn Informationen, Prozesszustände, Ressourcen und Beteiligte gemeinsam betrachtet werden, kann ein Krankenhaus auf Veränderungen reagieren und Versorgung systemübergreifend koordinieren.

Die zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre lautet deshalb: Wie gelingt es den Verantwortlichen eine übergreifende Prozessvision als Zielbild zu formulieren, die eine für Mitarbeitende, Ärzte und vor allem Patienten attraktive und zugleich realistische Vision beschreibt, um sich auf den anstrengenden aber notwendigen Weg der Transformation zum Krankenhaus der Zukunft zu machen, die eine digitalisierte, qualitativ bessere und effektive Versorgung ermöglicht? Die Krankenhaus-Orchestrierungsplattform bietet dafür sowohl das fachliche Einstiegsszenario, als auch den „Organismus“, der die Versorgungseffizienz nachhaltig wachsen lässt.

 

 

 

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Relevanz von Orchestrierung

Krankenhäuser brauchen sowohl in der internen als auch zur regionalen und häuserübergreifenden Steuerung eine gemeinsame fachlich-prozessuale Vision, in der gute Einzellösungen gemeinsam optimal wirken können. Genau darin liegt die strategische Relevanz von Orchestrierung in der Transformation – die Reorganisation des Zusammenspiels zahlreicher Instrumente und Solisten.

Hans-Martin Schneider

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FAQ

Häufige Fragen zum Krankenhaus der Zukunft

Antworten auf zentrale Fragen zur Orchestrierung von Versorgung, Prozessen und Ressourcen sowie zur schrittweisen Krankenhaus-Transformation im laufenden Betrieb.

Was ist eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform?

Eine Krankenhaus-Orchestrierungsplattform ist eine übergreifende Steuerungsebene für Versorgung und Krankenhausprozesse. Sie verbindet Informationen, Prozesszustände und relevante Ereignisse aus bestehenden Systemen und nutzt sie, um die nächsten Schritte entlang eines Versorgungspfads zu koordinieren. Sie ersetzt weder das KIS noch Fachsysteme, sondern macht ihr Zusammenspiel steuerbar.

Worin unterscheidet sich Orchestrierung von klassischer IT-Integration?

IT-Integration stellt sicher, dass Systeme Daten austauschen können. Orchestrierung geht weiter: Sie bewertet, welche Bedeutung ein Ereignis für den Gesamtprozess hat, aktualisiert Prozesszustände und stößt – nach klar definierten Regeln – Folgeaktionen an. Aus einer Patientenankunft wird so nicht nur eine übermittelte Information, sondern gegebenenfalls eine angepasste Arbeitsliste, Ressourcenzuordnung oder Patienteninformation.

Ersetzt eine Orchestrierungsplattform das Krankenhausinformationssystem?

Nein. Das KIS bleibt eine zentrale Grundlage für klinische und administrative Informationen sowie zahlreiche fachliche Prozesse. Eine Orchestrierungsplattform ergänzt diese Landschaft um eine bereichs- und systemübergreifende Perspektive. Sie legt die Prozesslogik nicht in ein weiteres Primärsystem, sondern verbindet die Stärken der vorhandenen Systeme entlang des Versorgungspfads.

Mit welchen Prozessen sollten Krankenhäuser in die Orchestrierung starten?

Der Einstieg sollte bei Prozessen erfolgen, die viele Übergaben, hohe Ressourcenabhängigkeiten oder erheblichen manuellen Abstimmungsaufwand aufweisen. Geeignet sind beispielsweise Aufnahmeprozesse, diagnostische Pfade, OP-Planung oder die Koordination von Entlassung und Nachsorge. Entscheidend ist nicht der Digitalisierungsgrad eines Prozesses, sondern sein konkretes Verbesserungspotenzial durch übergreifende Steuerung.

Wie lässt sich der Nutzen einer Orchestrierungsplattform messbar machen?

Der Nutzen sollte an konkreten Versorgungs- und Betriebszielen gemessen werden: etwa an weniger manuellen Abstimmungen, kürzeren Wartezeiten, verlässlicheren Terminen, besserer Ressourcenauslastung oder höherer Transparenz über Patientenflüsse. Wichtig ist, die Kennzahlen bereits vor der Umsetzung für den jeweiligen Anwendungsfall festzulegen und nicht nur die technische Einführung zu bewerten.

Unser Blogautor: 

Hans-Martin Schneider

Senior Partner

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